Fische der Nordsee / North-Sea-Fish - Nordseefauna2016

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Fische aus der Nordsee sind doch nur Speisefische, oder?
Seltsam! Für uns ist es selbstverständlich geworden, für die Aquaristik Tiere aus aller Herren Länder zu importieren. Obwohl wir andererseits gleich zwei Meere, nämlich Nord- und Ostsee direkt vor der Haustür haben, aus denen sich auch zahlreiche interessante Pfleglinge für das heimische Aquarium generieren ließen. Einer von ihnen, nämlich der Gestreifte Leierfisch Callionymus lyra, gehörte im 19. Jahrhundert zu den ersten in Europa in einem Aquarium gehaltenen Fischen überhaupt. Sicherlich spielt die Haltungstemperatur für viele Tiere aus der Nordsee eine sehr wichtige Rolle, aber in einem kalten Keller oder einem nicht beheizten Zimmer lassen sich bereits einige interessante Arten halten. Traurig ist es, dass alle, die sich sehr ernsthaft mit dem Hobby der Vivaristik beschäftigen, häufig in rechtlichen Grauzonen bewegen müssen, und dass manche Tierschutzverbände und Politiker unser Hobby eigentlich am liebsten komplett verbieten würden. Dieses würde aber nicht nur dem Zoohandel schaden, sondern es würde auch vielen illegalen Tierhändlern nützen, die nun astronomische Preise verlangen könnten; von dem Schaden für die geschmuggelten Tierarten einmal abgesehen. Darüber hinaus würde sich unsere Bevölkerung noch mehr von der Natur und Umwelt entfremden und abheben, so dass letztlich gar kein Bewusstsein mehr für Lebewesen und ökologische Zusammenhänge erwartet werden kann. Ob das für unsere nur noch sekundär vorhandene und rudimentäre Natur gut ist, kann wohl stark bezweifelt werden. Offensichtlich darf der private Vivarist nichts, während industrielle Nutzer und Konzerne alles Mögliche dürfen. Ist so eine Schizophrenie akzeptabel? (Es ist doch wirklich verrückt: Jemand, der sich für sein Heimaquarium im sogenannten "Nationalpark Wattenmeer" während seines Urlaubes ein paar von den zig Millionen hier lebenden Grundeln fängt, begeht mindestens eine Ordnungswidrigkeit, während auf der anderen Seite kein Hahn danach kräht, wenn durch die kommerzielle Fischerei Millionen Tonnen von unerwünscht gefangenen Fischen einfach weggeworfen werden!) Da läuft doch irgendetwas schief...
Doch gerade die Vivaristik verleiht den Tieren eine viel höhere Wertigkeit, als dieses die Fischerei jemals tun kann. Darüber gibt es - wenn auch im Hinblick auf tropische Tiere - sogar wissenschaftliche Studien. Im Verhältnis zu seinem Körpergewicht erzielt ein im Meer gefangener "Aquarienfisch" im Verlauf der Handelskette eine mindestens zehnmal so hohe Wertschöpfung wie ein nur für die Bratpfanne gefangener Fisch. Es macht mich immer sehr traurig, dass solche Zusammenhänge offensichtlich seitens der Politik gar nicht gesehen werden wollen. Statt dessen denkt man nur über eine weitere Kriminalisierung privater Tierhalter nach. Deshalb würde ich an dieser Stelle jedem, der sich ernsthaft mit Vivaristik oder Aquaristik beschäftigen möchte, dazu raten, einem möglichst im VDA angeschlossenen Verein beizutreten. Siehe auch: VDA-Online.de

Allgemeine Hinweise zur Haltung und Pflege von Nordseetieren
Die Haltung von Nordseetieren ist grundsätzlich möglich, wenn man in der Lage ist, den Platzbedürfnissen der einzelnen Arten gerecht zu werden. Dabei sollte von vorneherein klar sein, dass viele Arten exorbitant groß werden können und entsprechende Behältnisse benötigen, um sie dauerhaft artgerecht pflegen zu können. Es mag sein, dass z.B. ein Hummer Homarus gammarus
, der etwa 600 Gramm wiegt, in einem Aquarium gehalten werden kann, welches nur 1,20 Meter Beckenlänge und 50cm Tiefe besitzt, doch da ein solches Tier im Laufe der Jahre erheblich größer wird, muss man sich frühzeitig darüber Gedanken machen, ihm lieber einen Behälter von 1,50 Meter bis 2 Metern Beckenlänge und einer Tiefe von deutlich mehr als 70cm anzubieten. Auch werden gerade Kaltwasserarten oft sehr alt, so dass manche Tiere sogar ihren Pfleger überleben können! So können beispielsweise Zylinderrosen im Aquarium ein Alter von 80 Jahren und mehr erreichen. Sehr wichtig ist es auch, sich von vorneherein über die Vergesellschaftung verschiedener Organismen in einem Aquarium sorgfältige Gedanken zu machen, da fast alle Nordseetiere ausgesprochene Räuber sind, die grundsätzlich alles fressen, was kleiner ist als sie selbst oder was ihnen in der Enge eines Aquariums nicht ausweichen kann. Im Vergleich zum Meer ist ein Aquarium - und sei es noch so groß - ein recht kleiner Raum, in dem sich die Tiere nun einmal nicht dauerhaft ausweichen können. Auch das Balzverhalten mancher Tiere führt dazu, dass der Behälter für mehrere Individuen einer Art während ihrer Paarungszeit schlichtweg zu klein ist. Ein Beispiel hierfür wäre der Leierfisch Callionymus lyra. Werden zu viele Männchen in einem zu kleinen Aquarium gehalten, springen die unterlegenen Tiere aus dem Becken, sobald sie eine Möglichkeit dazu entdeckt haben. Darüber hinaus muss man darauf achten, dass die Temperatur des Beckens die 18° Celsius-Marke möglichst nicht überschreitet, und dass die Tiere bei möglichst kalten Temperaturen überwintern können. Dieses kann man am besten in einem unbeheizten Kellerraum realisieren, wo man mit etwas Glück eine natürliche Schwankungsbreite von 4-18° Celsius schaffen kann. Ich habe dieses Verfahren inzwischen etwas perfektioniert, da ich in der warmen Jahreszeit meinen Keller mit den Nordsee-Aquarien durch einen Mono-Kühlblock dauerhaft auf 16° Celsius herunterkühlen kann. Dabei saugt der Block die Raumluft des Kellers an, und bläst die gekühlte Luft zurück in den Raum, während er die warme Abluft durch das Kellerfenster nach draußen pumpt. Diese Kühltechnik während des Sommers habe ich mir vom Multimar-Wattforum in Tönning abgeguckt, wo die Abwärme der Aquarienkühlung dazu benutzt wird, den Besucherbereich vor den Aquarien zu heizen. Wenn die Klimatisierung des Raumes stimmt, beschlagen die Scheiben der Aquarien nicht. Wenn jedoch das Gefälle von Raumtemperatur, Belüftungsintensität und Aquarientemperatur zu groß ist, kann man dem Beschlagen der Scheiben durch Kondenswasser nur mit dem Einbau einer Scheibenheizung vorbeugen. Diese Verfahrensweise wurde beispielsweise bei den Kaltwasseraquarien des Niedersächsischen Landesmuseums angewendet. In den meisten Büchern liest man, dass Nordseetiere dauerhaft bei Temperaturen zwischen 12° und 15° gehalten werden sollten. Dieses entspricht jedoch wegen der fehlenden Kältephase im Winter nicht den natürlichen Gegebenheiten. Wenn das Wasser im Winter auf Temperaturen von 4 - 7° Celsius heruntergekühlt wird, kann man am Verhalten und an den Farben der Tiere feststellen, dass ihnen diese Kühlung sehr wohl tut. Viele Tiere benötigen diese Kälte auch zur Gonadenreifung, um fortpflanzungsfähig zu werden. Manche Tiere, wie z.B. die Aalmutter Zoarces viviparus pflanzen sich ausschließlich im Winter bei arktischen Temperaturen fort. Andere Tiere, wie etwa die Sandgrundel Pomatoschistus minutus eignen sich auch für die Haltung in kleinen Aquarien. Solche Tiere sind daher ideal, weil sie aus Gezeitengebieten stammen, wo sie großen Extremen wie schwankenden Salzdichten, sowie Hitze und Kälte und vielen Fressfeinden ausgesetzt sind. Manche Arten, wie Seepferdchen und Seenadeln akzeptieren nur lebendes Futter oder sind Nahrungsspezialisten, so dass man sie besser nicht halten sollte, wenn man das Futter nicht in ausreichenden Mengen beschaffen kann. Ähnlich problematisch kann die Ernährung von Filtrierern wie Muscheln und Schwämmen sein. Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, zu jeder Art ihre detaillierten Pflegeansprüche aufzulisten, weshalb ich mich hier auf diese allgemeinen Hinweise beschränkt habe. Ich habe jedoch zu einigen der von mir vorgestellten Arten einige Pflegehinweise in den Text mit eingearbeitet, so dass man hier grundsätzliche Dinge erfahren kann. Über den Betrieb von Meerwasseraquarien mit der dazu gehörenden Technik sollte man sich bei Interesse in der entsprechenden Fachliteratur oder den entsprechenden Foren kundig machen. Ich weise jedoch darauf hin, dass es auch bei dieser Form der Aquaristik neue Entwicklungen, Trends und Modeerscheinungen gibt, die man als Newcomer nicht sofort als solche erkennen kann. Deshalb würde ich immer dazu raten, vor Betrieb eines eigenen Meerwasseraquariums den Kontakt zu anderen Meerwasseraquarianern oder Institutionen zu suchen, die bereits einige Jahre Erfahrung mit dieser Materie vorzuweisen haben. Dieses kann einem viele Misserfolge und Fehlanschaffungen ersparen.

Fish from the North Sea are only edible fish, aren't they?
Strange! For us it has become a matter of course to import aquarium animals from all over the world. Although, on the other hand, we have two seas, the North Sea and the Baltic Sea, right on our doorstep, from which we could also generate numerous interesting fish for the home aquarium. One of them, the common dragonet Callionymus lyra, was one of the first fish ever kept in an aquarium in Europe in the 19th century. Certainly, the keeping temperature plays a very important role for many animals from the North Sea, but some interesting species can already be kept in a cold cellar or an unheated room. It is sad, that all those who are very seriously involved in the hobby of vivaristics, often have to move in legal grey areas, and that some animal protection associations and politicians would actually prefer to ban our hobby completely. However, this would not only harm the pet trade, but it would also benefit many illegal animal traders who could now charge astronomical prices; not to mention the damage to the smuggled species. Furthermore, our population would become even more alienated and detached from nature and the environment, so that ultimately no awareness of living creatures and ecological interrelationships can be expected any more. Whether this is good for our only secondarily existing and rudimentary nature can be highly doubted. Obviously, private vivarists are not allowed to do anything, while industrial users and corporations are allowed to do all kinds of things. Is such schizophrenia acceptable? (It is really crazy: Someone who catches a few of the tens of millions of gobies living here for his home aquarium in the so-called "Wadden Sea National Park" during his holiday commits at least one offence, while on the other hand no one crows when commercial fishing simply throws away millions of tonnes of unwanted fish). Something is going wrong... But it is precisely vivaristics that gives animals a much higher value than fishing ever can. There are even scientific studies on this - albeit with regard to tropical animals. In relation to its body weight, an "aquarium fish" caught in the sea achieves at least ten times as much added value in the course of the trade chain as a fish caught only for the frying pan. It always makes me very sad and angry, that politicians obviously don't want to see such connections. Instead, they only think about further criminalising private animal owners. That is why I would advise anyone who wants to get seriously involved in vivaristics or aquaristics to join an association that is affiliated to the VDA, if possible. See also: VDA-Online.de.

General information on keeping and caring for North Sea animals
Keeping North Sea animals is basically possible, if you are able to meet the space requirements of the individual species. It should be clear from the outset that many species can grow exorbitantly large and require appropriate housing in order to be able to care for them in a species-appropriate manner on a permanent basis. It may be that, for example, a common lobster Homarus gammarus, which weighs about 600 grams, can be kept in an aquarium with a tank length of only 1.20 metres and a depth of 50 cm, but since such an animal grows considerably larger over the years, it is important to consider early on whether it would be better to offer it a tank with a tank length of 1.50 to 2 metres and a depth of considerably more than 70 cm. Also, cold-water species in particular often live to a very old age, so that some animals can even outlive their keepers! Cylinder-anemones in aquaria, for example, can reach an age of 80 years and more. It is also very important to think carefully about the socialisation of different organisms in an aquarium from the outset, as almost all North Sea animals are pronounced predators that basically eat everything that is smaller than themselves, or that cannot avoid them in the confines of an aquarium. Compared to the sea, an aquarium - no matter how big it is - is a rather small space in which the animals cannot permanently avoid each other. The courtship behaviour of some animals also means that the tank is simply too small for several individuals of a species during their mating season. An example of this would be the common dragonet Callionymus lyra. If too many males are kept in an aquarium that is too small, the inferior animals will jump out of the tank as soon as they have discovered an opportunity to do so. In addition, care must be taken to ensure that the temperature of the tank does not exceed the 18° Celsius mark if possible, and that the animals can overwinter in temperatures that are as cold as possible. This can best be achieved in an unheated cellar room where, with a bit of luck, you can create a natural fluctuation range of 4-18° Celsius. In the meantime, I have perfected this procedure somewhat, as in the warm season I can permanently cool down my cellar with the North Sea aquaria to 16° Celsius using a mono-cooling block. In the process, the block draws in the room air of the basement and blows the cooled air back into the room, while pumping the warm exhaust air out through the basement window. I copied this cooling technique during the summer from the Multimar-Wattforum in Tönning, where the waste heat from aquaria-cooling is used to heat the visitor`s area in front of the tanks. If the air-conditioning of the room is right, the panes of the aquariums do not mist up. However, if the gradient between room temperature, ventilation intensity and aquarium temperature is too great, the only way to prevent panes from fogging up due to condensation is, to install a pane heater. This method was used, for example, in the temperated aquaria of the Lower Saxony State Museum. Most books demand, that North Sea animals should be kept permanently at temperatures between 12° and 15°. However, this does not correspond to natural conditions, because of the lack of a cold phase in winter. If the water is cooled down to temperatures of 4 - 7° Celsius in winter, you can see from the behaviour and colours of the animals, that this cooling does them a lot of good. Many animals also need this cold for gonadal maturation in order to become able to reproduce. Some animals, such as the eel pout Zoarces viviparus, reproduce exclusively in winter at Arctic temperatures. Other animals, such as the sand goby Pomatoschistus minutus, are also suitable for keeping in small aquaria. Such animals are ideal, because they come from intertidal areas where they are exposed to great extremes such as fluctuating salinity, as well as heat and cold, and many predators. Some species, such as seahorses and pipefish, only accept live food or are food specialists. So it is better not to keep them, if you cannot obtain the food in sufficient quantities. Feeding filter feeders such as mussels and sponges can be similarly problematic. It would go beyond the scope of this website to list the detailed care requirements for each species, so I have limited myself here to these general tips. However, I have included some care instructions in the text for some of the species I have introduced, so that you can learn some basic things here. If you are interested in the operation of saltwater aquaria and the associated technical equipment, you should consult the relevant specialist literature or the appropriate forums. However, I would like to point out, that there are also new developments, trends and fashions in this form of aquaristics, which newcomers may not immediately recognise as such. Therefore, I would always advise you, to seek contact with other marine aquarists or institutions, that already have several years of experience in this field, before you start your own saltwater aquarium. This can save you many failures and wrong acquisitions.

Teil I dieser Buchreihe stellt Wirbeltiere (Chordata) der Nordsee, angefangen bei den Seescheiden über die Rundmäuler, Haie und Rochen, Knochenfische, sowie Robben und Wale, in den Kontext der sich ändernden Lebensbedingungen in diesem kleinen Teil des einen großen Weltmeeres. Dabei werden alteingesessene Arten und Einwanderer aus wärmeren Regionen in einem ausgewogenen Verhältnis dargestellt. Auch Aspekte von Fischerei, Ökologie und Aquarienhaltung flossen in dieses Werk mit ein. Darüber hinaus wurde auch die Präparation von Fischen mitangesprochen. Es wäre sehr begrüßenswert, wenn sich künftig mehr Menschen als bisher mit Pflege und Erhalt der wundersamen und vielgestaltigen Bewohner der Nordsee beschäftigen würden. Denn leider scheinen viele der hier gezeigten Arten einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt zu sein, weshalb sie in der Praxis leider kaum eine echte Lobby zu besitzen scheinen.

Bestellbar als Taschenbuch oder E-Book:

Die Fauna der Nordsee, Chordata

Part I of this book series puts vertebrates (Chordata) of the North Sea, from sea-squirts to lampreys, sharks and rays, bony fishes, seals and whales, in the context of the changing living conditions in this small part of the one big ocean. The book presents a balance between long-established species and immigrants from the subtropics. Aspects of fishing, ecology and aquarium keeping were also included in this work. In addition, the preparation of fish was also addressed. It would be very welcome, if in the future more people would concern themselves with the care and preservation of the wondrous and multifarious inhabitants of the North Sea. For unfortunately, many of the species shown here seem to be largely unknown to a wider public, which is why they hardly seem to have a real lobby in practice. So, we`d better get to know our endemic species, before they become extinct.

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