Müllriffe in der Nordsee... - Nordseefauna2016

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Müllriffe in der Nordsee...

 

Und was sind das eigentlich für seltsame Plastikgitter?

Nun, vor allem an solch exponiert liegenden Stränden wie denen der Insel Borkum kann man solche Gitter mit verschieden großen Maschenweiten häufig auffinden. Vor allem Muschelzüchter aus den Niederlanden verwenden sie in ihren Aquakulturen. Gelangen sie lose in die Umwelt, nehmen sie eine zwiespältige Rolle ein. Denn einerseits können sich auf ihnen diverse Wirbellose ansiedeln, andererseits können sich aber auch Tiere in ihnen verfangen und absterben. Oder Sedimente und Strömung fragmentieren sie weiter zu winzigen Partikeln, welche nun in die marinen Nahrungsnetze gelangen...

Woher kommen eigentlich immer diese Wachsklumpen?

Wollte ich wissen, und ging der Sache auf den Grund. Ganz einfach: Es handelt sich nicht um "Kerzenwachs", sondern um Paraffin, welches im Zusammenhang mit dem Transport von Erdölprodukten anfällt. Es lagert sich vor allem in den Tanks großer Tankschiffe ab. Zwar reinigen diese Transporter ihre Tanks schon in den Häfen etwas vor, doch dürfen sie auf See ihre Tanks ganz legal nochmals durchspülen... Das Resultat dieser Spülungen sind dann die Paraffinklumpen an unseren "Badestränden"...  
Die Kurverwaltungen lassen die Strände zwar regelmäßig säubern, aber das bezahlt der Urlauber dann eben auch mit der Kurtaxe... Ist doch einfach nur toll, wenn die Touristen es bezahlen, den Dreck anderer wegräumen zu lassen...  

Der Vollständigkeit halber sei hier noch ein neues Habitat in Kurzform beschrieben: Die Gemeine Müllbank. Hier lagern sich nicht nur Fischernetze, Nylonfäden, Taue und Fischkisten ab, sondern auch alle erdenklichen Arten sonstiger Abfälle. PVC-Flaschen machen dabei einen besonders hohen Anteil aus. Das alles verbindet sich dann mit Algen, Moostierchen, Seeanemonen, Seepocken, kleinen Krebstieren und Würmern. Im Prinzip die perfekte Siedlungsgrundlage, welche mit Leichtigkeit die schwindenden Miesmuschelbänke der Nordsee ersetzen kann. Die Tiere haben sich längst damit arrangiert, wie das obige Foto beweist. Diese Aufnahme wurde im Borkumer Aquarium aufgenommen, wo ein Kaisergranat in einer ausgedienten Plastikflasche ein neues Zuhause gefunden hat. Die perfekte Symbiose aus Abfall und Kreatur! Auf der Insel Borkum, die von allen ostfriesischen Inseln wohl die exponierteste Lage hat, lässt die Kurverwaltung jeden Tag das ganze Jahr über solche und noch andere Relikte des Menschen von den sonst eigentlich schönen Stränden wegsammeln. Leider scheinen Appelle an die Allgemeinheit, über die Änderung des persönlichen Konsumverhaltens ernsthaft nachzudenken, vergeblich zu sein. Denn es muss ja immer alles neu sein, man muss ja selbstverständlich die Flugreise buchen, ein Auto fahren und vor allem viel Fleisch essen. Kommen wir da wieder raus? Ich weiß es wirklich nicht. Aber Fakt ist, dass uns Mutter Natur unseren giftigen Output früher oder später ungefragt zurück bringt. Sei es auf diese oder jene Weise…

 
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